1. Limes-Konferenz 2005

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1. Rollende Limes-Konferenz am 25. September 2005:
    Limes-Kenner und Bürger informierten sich vor Ort

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Der Limes birgt viele Chancen

Rollende Limeskonferenz stieß auf großes Interesse

Nr. 294 – 26. September 2005 / Rhein-Lahn. Mehr als 120 Bürger und Fachleute, darunter zahlreiche Limes-Spezialisten, fuhren mit drei großen Bussen von Bad Ems über Arzbach, Becheln, Pohl und Holzhausen nach Nastätten. Neben Besichtigungen standen Gespräch und Diskussion im Mittelpunkt des Geschehens. Ergebnis: Die Teilnehmer der rollenden Konferenz waren begeistert. Viele konnten für weitere Aktivitäten gewonnen werden. Landrat Günter Kern wertete die erste Konferenz nach Anerkennung als Welterbe als vollen Erfolg.



Der Limes, eines der größten Bauwerke der Antike, ist nach rund 1900 Jahren nach seiner Errichtung aktueller denn je. Spätestens seit er von der UNESCO am 15. Juli 2005 als Welterbe unter Schutz gestellt wurde, ist der Limes in aller Munde, rücken Türme, Wälle, Gräben und Kastelle in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch auch schon bevor der Antrag mehrerer Bundesländer bei der UNESCO diskutiert wurde, kümmerte sich der Rhein-Lahn-Kreis um „sein“ Stück Limes, das mit 33 Kilometern Länge rund sechs Prozent des gesamten Limes umfasst und 44 Prozent der rheinland-pfälzischen Limesstrecke ausmacht.

Nachdem in einer ersten Limestagung am 11. Mai 2004 in Nastätten ein Projekt zur Sichtbarmachung (Visualisierung) des Limes im Rhein-Lahn-Kreis von Fachleuten einem breiten Publikum vorgestellt wurde, konnte diese Ideen innerhalb eines Jahres weiter vertieft werden. Als dann am 15. Juli die frohe Kunde der UNESCO eintraf, gab dies dem Limesprojekt im Rhein-Lahn-Kreis neuen Schub. Initiativen von Städten und Ortsgemeinden und Vereinen, die sich um den Limes vor Ort kümmern haben bereits zu einer Verbesserung an den einzelnen Limesstätten geführt. Da jedoch viele kleine Einzellösungen kaum etwas bewirken können, lautete das Motto „Den Limes vernetzen“. Und dieses Netz wurde vom Rhein-Lahn-Kreis erstmals durch die von der „Arbeitgruppe Limes“ des Kreishauses organisierte „Rollende Limeskonferenz“ gesponnen.

Eine große Menschengruppe mit mehr als 120 Teilnehmern aus Landesregierung, Landtag, Kreistag, Fachbehörden, Verbands – und Ortsgemeinden, Vereinen und vor allem vielen interessierten Bürgern aller Generationen unternahm eine Limestour mit fünf wichtigen Stationen. Die Busse wurden von Dr. Cliff A. Jost vom Landesamt für geologische Denkmalpflege, Dr. Hans Jürgen Sarholz vom Stadtmuseum Bad Ems sowie von Rainer Rotard und Werner Diesler von der Kreisverwaltung fachmännisch begleitet. Am Kreishaus in Bad Ems starteten drei Busse zunächst nach Arzbach,  wo Landrat Günter Kern die große Gästeschar mit launigen Worten begrüßte und seiner Freude über das riesige Interesse am Limes und an dieser Rollenden Limeskonferenz Ausdruck verlieh. Ortsbürgermeister Dieter Hand und Günter Malkmus vom Heimat – und Verkehrsverein führten die Gäste hoch zum Arzbacher Limesturm, der eine einmalige Aussicht bis ins Lahntal und in die Augst bietet. Hier, genau wie an der nächsten Station in Becheln, konnten sich die Konferenzteilnehmer von den Initiativen, die vor Ort bereits geleistet wurden, anschaulich überzeugen. In Becheln stellte Ortsbürgermeister Rainer Ansel den gemeinsam mit der Stadt Lahnstein neu angelegten Rundwanderweg am Limes vor. Das sonnige Wetter trug sehr dazu bei, dass die 120 Fahrtteilnehmer gerne die Wege durch Wald und Flur durchwanderten und hierbei auch den hohen Freizeitwert des Limes genießen konnten.

Die Ortsgemeinde Pohl an der Bäderstraße plant den Nachbau einer Kleinkastells als „Limespark“ mit einem Informations- und Veranstaltungszentrum. An einem Stopp an der B 260 hatten die Pohler das Gelände des geplanten Limesparks kenntlich gemacht und verschafften den Besuchern so einen interessanten Eindruck über die Planung. Im Dorfgemeinschaftshaus wurde das Thema Limespark dann weiter anschaulich vertieft. Ortsbürgermeister Wolfgang Crecelius und Bürgermeister Udo Rau von der Verbandsgemeinde Nassau hatten die Darstellung des Projekts vortrefflich organisiert. Staatssekretär Hendrik Hering vom Innenministerium machte deutlich, welche Chancen das Pohler Projekt für die gesamte Region birgt und in welcher Form die Landesregierung dieses Vorhaben im Rahmen der Limesprojekte innerhalb des Landes unterstützen möchte. Prof. Mathias Uhle als beauftragter Planer für den Limespark konnte anschließend den aufmerksam lauschenden Gästen die bisherigen Pläne vorstellen. Aber dennoch wurde der Aufenthalt in Pohl nicht zu einer gar zu ernsten Angelegenheit, denn die Teilnehmer wurden auch mit einem kleinen Imbiss und mit römischem „Pohler Mulsum“, einem mit Honig und Kräutern angesetzten Wein, verwöhnt.


Bevor die Limeskonferenz im Nastätter Bürgerhaus ihren prominent besetzten Abschluss fand, rollten die drei Busse noch nach Holzhausen zum Römerkastell, bei dem es sich um eins der wichtigsten noch vorhandenen Restbauten am gesamten Limes handelt. Ortsbürgermeister Frank Hofmann und Dr. Cliff Jost führten die Besucher fachlich versiert zu diesen beeindruckenden Zeichen römischer Besatzungszeit. 

Im Bürgerhaus Nastätten konnte Landrat Günter Kern die Ergebnisse der Rollenden Limeskonferenz als sehr nützlich für die Bewältigung der künftigen Aufgaben bezeichnen und bedankte sich bei den Organisatoren ebenso wie bei den Teilnehmern, denn der Limes sei eine gemeinsame Herausforderung mit vielen Chancen für den Rhein-Lahn-Kreis. Der Kreis sei in der einmaligen Lage, mit dem Oberen Mittelrheintal und dem Limes über zwei bedeutende Welterbe zu verfügen. Dem stimmte auch Innenminister Karl Peter Bruch in voller Übereinstimmung zu. Er fand deutliche Worte, was die Unterstützung der Landesregierung bei der Umsetzung der Projekte am Limes, auch im Rhein-Lahn-Kreis betrifft. Den Limespark Pohl nannte er in einem Atemzug mit dem geplanten Limes-Informationszentrum in Rheinbrohl. Beide Einrichtungen sollen einander ergänzen. Auch was die geplante Visualisierung des Limes betrifft, stellte Bruch die Unterstützung der Landesregierung in Aussicht, die eigens für die Verwirklichung der Limesprojekte eine Entwicklungsgesellschaft (PER) gegründet hat, deren Geschäftsführer Dr. Joe Weingarten an diesem Tag mit dabei war. Auch Nastättens Stadtbürgermeister Emil Werner und Verbandsbürgermeister Raimund Friesenhahn freuten sich über die positive Resonanz und versprachen, dass Nastätten sich als Brücke zwischen den beiden Welterben mit in die weitere Entwicklung einbringen möchte.