2. Limes-Konferenz 2006

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2. Rollende Limes-Konferenz am 24. September 2006:
    Limes-Kenner und Bürger informierten sich vor Ort

Die Grenz-Erfahrung war grenzüberschreitend



Die Zweite Rollende Limeskonferenz führte vom Rhein-Lahn-Kreis auch in den Rheingau-Taunus-Kreis; rund 150 Teilnehmer besuchten neue Visualisierungsmaßnahmen

Nr. 288 – 26. September 2006 / Rhein-Lahn. Seit einem Jahr steht der obergermanisch-rätische Limes auf der Liste der Welterbestätten unter dem Schutz der UNESCO und seit über einem Jahr wird der Limes auf den 33 Kilometern, die er durch den Rhein-Lahn-Kreis führt, mehr und mehr zu einem Projekt, das der positiven Entwicklung der ganzen Region dienen kann. Dies wurde bei der zweiten ‚rollenden Limeskonferenz’ deutlich, an der rund 150 Personen aus dem Rhein-Lahn-Kreis und dem benachbarten Rheingau-Taunus-Kreis teilnahmen und die auch durch beide Kreise führte.

Landrat Günter Kern hatte zur zweiten ‚rollenden Limeskonferenz’, neben den politischen Entscheidungsträgern, den Bürgermeistern der Verbands –und Ortsgemeinden und den am Limes haupt– und ehrenamtlich tätigen Personen, auch wieder die Bürger des Rhein-Lahn-Kreises eingeladen, um gemeinsam vor Ort nachzuvollziehen, was unter anderem mit Hilfe des Sofortprogramms des Landes, der WFG Rhein-Lahn und der Naspa-Stiftung am Limes bis dato wieder sichtbar wurde und neu entdeckt und erlebt werden kann. Einen ganzen Sonntag lang rollten drei voll besetzte Busse bei herrlichem Spätsommerwetter den Limes entlang und interessante Exkursionen erfüllten die Erwartungen der Teilnehmer.

Auf dem Wintersberg in Bad Ems begrüßte Landrat Günter Kern die Gäste und freute sich über die gewaltige Resonanz zu dieser Limeskonferenz. Er lobte das hohe ehrenamtliche Engagement, das in allen Limesgemeinden im Rhein-Lahn-Kreis nachvollziehbar sei. An Ort und Stelle wurde dies voll und ganz deutlich, denn Jürgen Eigenbrod, der Bad Emser Experte in Sachen Limes und beim Verein für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege tätig, führte die Teilnehmer in die Welt des römischen Reiches im Raum Bad Ems und zu den heute noch vorhandenen Spuren. Er zeigte anhand seiner in Eigenleistung erstellten Visualisierungsmaßnahmen, wie der römische Grenzwall vor fast 2000 Jahren durch Bad Emser Gebiet verlief. Ein neu errichtetes Stück Palisade und die wieder nachempfundenen Fundamente eines Wachturms waren beste Beispiele dafür, wie ein Stück Vergangenheit wieder lebendig werden kann. Die entsprechenden Hinweistafeln bieten darüber hinaus auch ausführliche Informationen für die Gäste, wenn Jürgen Eigenbrod gerade mal nicht in der Nähe ist um seine Arbeiten persönlich zu erläutern. Sein Beitrag fand sehr viel Beifall und beeindruckte die Limesfreunde nachhaltig.
 
Weiter führte die Reise über die Bäderstraße in den hessischen Nachbarkreis. Hier wurde der Limes am Hofgut Georgenthal wieder sichtbar gemacht, denn der Rheingau-Taunus-Kreis betreibt hier mit der Gemeinde Hohenstein ein interessantes Limes-Erlebniszentrum, eingebettet in ein luxuriöses Hotel mit allen Annehmlichkeiten. Bürgermeister Hans Jürgen Finkler und Helmuth Pelz vom Kulturverein Holzhausen ü. Aar machten deutlich, dass dieses neue Limes-Erlebniszentrum auch für die ansässige und umliegende Gastronomie ein wichtiges Standbein ist, denn viele Menschen kommen täglich gerne hierher um auf dem spannend angelegten Rundwanderweg auf den Spuren des römischen Reichs zu wandeln und um die interessanten Ausstellungsstücke und anschaulichen Exponate zu sehen. Hier gelangt man quasi mit dem Lift ins römische Reich, denn der moderne Aufzugsschacht ist äußerlich zum Limesturm geworden.
 
Im benachbarten Ort Strinz-Margarethä stärkten sich die Konferenzteilnehmer beim Kelterfest mit einem rustikalen Imbiss, bevor wieder der Rhein-Lahn-Kreis angesteuert wurde. Von Pohl führte eine Wanderung am Limes entlang nach Hunzel, wo Ortsbürgermeister Gerhard Bauer gemeinsam mit seiner „Rentner-Band“ die neue Beschilderung, den Rastplatz und natürlich die erst kurz vor dem Termin fertig gestellte Palisadenwand erklären konnte. Kleiner Höhepunkt der Hunzel-Tour war die offizielle Enthüllung der großen Informationstafel in der Ortsmitte. Staatssekretär Roger Lewentz, Landrat Günter Kern und Ortsbürgermeister Gerhard Bauer zogen gemeinsam das weiße Tuch herunter und präsentierten den Hunzeler Bürgern und den Gästen der Limeskonferenz, auf welche Art und Weise am gesamten Limesbereich in Rheinland-Pfalz künftig auf die wichtigsten Limes-Stätten hingewiesen wird. Alleine im Rhein-Lahn-Kreis werden 30 solcher Hinweistafeln stehen, die von der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Rhein-Lahn in voller Höhe finanziert und von Dr. Cliff Jost von der archäologischen Dankmalpflegebehörde des Landes gestaltet wurden. Bis zum Frühjahr 2007 soll diese Aktion im Rhein-Lahn-Kreis bereits abgeschlossen sein.
 
Im Hunzeler Dorfgemeinschaftshaus wurde bei der Abschlussbesprechung deutlich, dass der Limes im Rhein-Lahn-Kreis inzwischen schon eine Beispielfunktion im Lande Rheinland-Pfalz hat. „Hier im Rhein-Lahn-Kreis ist man mit am weitesten, was die Umsetzung der so genannten Kleinprojekte angeht“ lobte Staatssekretär Roger Lewentz die bisherigen Maßnahmen. Er versprach, sich in Mainz dafür einzusetzen, dass dieses Engagement innerhalb der Ortsgemeinden und mit Unterstützung des Kreises auch künftig die entsprechende finanzielle Unterstützung des Landes erfährt. „Kaum ein Programm hat mit so relativ geringen Finanzmitteln eine so große Wirkung erzielt“ stellte er lobend fest.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde durch die Vorträge von Dr. Franz Schafranski vom Büro für Landschafts– und Umweltmanagement Kaiserslautern, Jürgen Lehnigk-Emden vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum und vom Diplomanten Johannes Ries, der an der Uni Mainz Geografie studiert und seine Diplomarbeit einem Radwegekonzept am Limes im Rhein-Lahn-Kreis widmet, auf eindrucksvolle Art deutlich, welches Potential im Limes steckt, wenn dieser wieder sichtbar wird. „Mein Vater hat mir erzählt, dass der Limes zu seiner Zeit bei unseren Schülern sehr präsent war. Sie fuhren öfter zum Limes und erlebten Geschichte zu greifen nah. Das ist dann bei meiner Generation leider etwas abhanden gekommen, wird aber jetzt wieder lebendig, und das ist auch richtig so“, stellte Staatssekretär Roger Lewentz fest. Dem konnte auch Landrat Günter Kern nur zustimmen. Er beschloss die zweite rollende Limeskonferenz mit dem Fazit: „Es gibt am Limes noch viel zu tun, aber die Arbeit wird sich lohnen. Auch die geplante Vernetzung der beiden Welterbe Oberes Mittelrheintal und Limes wird die touristische Entwicklung des Kreises forcieren. Premium-Wanderwege wie der Rheinsteig zeigten, dass auch heute noch Erfolge möglich sind, wenn alle Akteure dies wollen. Auch der Limes kann im Rhein-Lahn-Kreis zum Erfolgsmodell werden.“
 

Lewentz: „Über Pohl gemeinsam reden“
Der geplante Limespark braucht ein gut durchdachtes Nutzungskonzept
Während der zweiten rollenden Limeskonferenz war natürlich auch der in Pohl geplante Limespark ein Thema. Staatssekretär Roger Lewentz bezeichnete die inzwischen vorliegenden Beschlüsse der Räte der Verbandsgemeinde Nassau und der Ortsgemeinde Pohl insgesamt als hilfreich. Er forderte jedoch gleichzeitig, die zurzeit auf der Ebene der Medien geführte Diskussion zu beenden.
Lewentz: „Wir sollten dringend miteinander reden, nicht übereinander. Ich schlage vor, dass wir alle, Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde, Kreis und Landesregierung, uns zeitnah zusammensetzen um über die weitere Vorgehensweise zu reden und vor allem um ein Konzept zu finden, wie der Limespark in Pohl effektiv und effizient betrieben und somit für die Zukunft gesichert werden kann.“ Er betonte, dass die Landesregierung sich mit einem angemessenen Betrag an den Investitionskosten beteiligen würde, aber keinen Beitrag zu den laufenden Unterhaltungskosten leisten könne. Bei der Erarbeitung eines Konzepts würde er mit seinem Ministerium jedoch gerne Hilfestellung leisten.