3. Limeskonferenz 2007

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3. Rollende Limes-Konferenz am 2. September 2007:
    Limes-Kenner und Bürger informierten sich vor Ort

„Salvete!“ schallte es durchs Kastell

Dritte Rollende Limeskonferenz des Rhein-Lahn-Kreises zeigte den Fortschritt der Limes-Visualisierung

Nr. 272 – 4. September 2007 / Rhein-Lahn. Seit gerade mal zwei Jahren ist der obergermanisch-rätische Limes als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO anerkannt. Zwei Jahre, die im Rhein-Lahn-Kreis bestens genutzt wurden, um dieses Welterbe, das größtenteils im Boden versteckt liegt, da, wo es geht, wieder sichtbar zu machen. Hinweise auf dieses Bodendenkmal wurden zwischen den Kreisgrenzen bei Kemmenau und Holzhausen auf den 33 Limes-Kilometern innerhalb des Rhein-Lahn-Kreises mittlerweile in großer Zahl angebracht.

Zum dritten Mal hatte Landrat Günter Kern mit der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Rhein-Lahn die Bürger aus dem Kreis, ehrenamtlich engagierte Personen, die Bürgermeister der insgesamt 19 Limesgemeinden und viele Fachleute zur Rollenden Limeskonferenz eingeladen. Die Projektentwicklungsgesellschaft PER des Landes Rheinland-Pfalz war mit ihrer Geschäftsführrein Ise Thomas, der Projektleiterin für den Limes, Susanne Schweren, und weiteren Mitarbeitern vertreten.

Drei Busse mit rund 130 Limesfreunden starteten von Bad Ems zunächst nach Becheln, wo Ortsbürgermeister Rainer Ansel einen kleinen Empfang mit römischen Ziegenkäsebroten und kühlem Met vorbereitet hatte. Im Bechelner Gemeindehaus, dem Landgasthof „Am Limes“, konnten die Gäste die neuen Wandmalereien mit Motiven vom Leben am Limes und die Dauerausstellung römischer Funde besichtigen und anschließend noch den neu angelegten Limesrundweg erwandern, bevor sie anschließend zwischen Dornholzhausen und Geisig an der K 12 von Ortsbürgermeisterin Anita Krebs empfangen wurden um den überprägten Wachport 2/14 und den in der Nähe angelegten Aussichtspunkt mit Sitzgruppe und Hinweistafeln in Augenschein zu nehmen.

Weiter ging die Fahrt ins Römerkastell bei Holzhausen, das nach Meinung der Archäologen das wichtigste noch erhaltene Kastell am gesamten Limes ist und das inzwischen durch erfolgte Freischneidearbeiten, durch neue Hinweistafeln und eine dezente Bekiesung zu einem echten Schmuckstück geworden ist.. Hier hatten die Organisatoren aus dem Kreishaus eine kleine Überraschung eingebaut, denn nicht nur Ortsbürgermeister Frank Hofmann empfing die Konferenzteilnehmer, sondern auch die römische Kohorte XXVI vom Rheinbrohler Verein Broele Trans Rhenum. Ihr Chef, Reinhold Küpper alias Centurio Flavius Linus, begrüßte mit einem lauten „Salvete“ die Eindringlinge und wies sie darauf hin, dass sie sich hier auf römischem Gebiet befänden.

Die bis unter die Zähne bewaffnete Kohorte blieb jedoch friedlich und Reinhold Küpper erzählte einige interessante Details über die Arbeit dieser Freiwilligen-Armee in der Provinz Germanien vor rund 1900 Jahren.

Nach einer Stärkung am römischen Mittagsbüffet im Landgasthof Gemmer im benachbarten Rettert rollte die Limeskonferenz nach Bad Ems, wo der Verein für Denkmalschutz, Geschichte und Landschaftspflege in Person von Jürgen Eigenbrod und seinen freiwilligen Helfern schon an vielen Stellen die Visualisierung des Limes vorangebracht hat. Dieses Mal stellte Jürgen Eigenbrod die neu aufgestellten Hinweistafeln und die kleine Palisade an der Alten Kemmenauer Straße vor. Hier hatte er mit Jugendlichen aus dem Bad Emser Jugendzentrum viele Stunden fleißig gearbeitet.

In Arzbach hatten die Konferenzteilnehmer Gelegenheit, den vor vier Jahren nach einem Brand wieder hergerichteten Stefansturm zu besuchen. Der mühevolle Aufstieg wurde mit dem herrlichen Ausblick über die gesamte Augst bis in die Vulkaneifel belohnt. Am Stefansturm stellte Günter Malkmus vom Arzbacher Verkehrsverein auch die neu aufgestellten Hinweistafeln vor. Ise Thomas freute sich besonders, dass an dieser exponierten Stelle auch das erste von acht so genannten „Sichtfenster“ am Limes innerhalb des Kreisgebiets aufgestellt wurde. Hierbei handelt es sich um eine gezeichnete Abbildung der Aussicht auf den Limes zur Römerzeit mit einem darüber angebrachten Rahmen, durch den man diese Ansicht in die heutige Zeit übertragen kann.

In der Arzbacher Limeshalle, wo der Marienfelser Modellbauer Edgar Defayay auch seine Dioramen mit Szenen aus der Römerzeit ausgestellt hatte, zog Landrat Günter Kern ein positives Resümee der dritten Rollenden Limeskonferenz. Der direkte Vergleich zu den vor zwei Jahren besuchten Stellen am Limes hätte gezeigt, dass sich sehr viel entwickelt habe und dass im Rhein-Lahn-Kreis eine große Begeisterung für den Limes spürbar sei. Die Kampagne Mittellande, die größte Organisation von Rollenspielern in Europa, wird im Herbst eine Ferienfreizeit „Larp am Limes“ für Jugendliche in Arzbach durchführen. Organisator Thomas Hahlbrock, Welterbeförster der SGD Süd, nahm vom Kreischef hierfür einen Spendenscheck entgegen.

Innenstaatssekretär Roger Lewentz versprach, dass das Welterbe Limes seitens der Landesregierung auch in den kommenden Jahren mit festen Fördergeldern versehen werde, denn der Limes soll an seinen 75 Kilometern auf rheinland-pfälzischem Gebiet zu einer echten Attraktion werden. Er verwies hierbei auf die beiden geplanten Limes-Erlebniszentren in Rheinbrohl (Kreis Neuwied) und Pohl (Rhein-Lahn-Kreis) und auf das Holzhausener Kastell. Hier verfüge das Land in wenigen Jahren über echte Pfunde mit denen gewuchert werden könne. Lewentz dankte, ebenso wie bereits Landrat Günter Kern, den vielen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die vor Ort die Visualisierungsprojekte in unzähligen Arbeitsstunden umsetzen und voranbringen. Er lobte das hervorragende Miteinander von Projektentwicklungsgesellschaft, dem Grabungstechniker der Archäologischen Denkmalpflege und der Limes-Arbeitsgruppe im Bad Emser Kreishaus mit den Vertretern der 19 Ortsgemeinden, die entlang des Limes liegen.

PER - Geschäftsführerin Ise Thomas zog ebenfalls eine positive Bilanz zu dem, was am Limes in Rheinland-Pfalz und insbesondere im Rhein-Lahn-Kreis bisher erreicht wurde. Hierbei wurde deutlich, dass in den Rhein-Lahn-Kreis über 50 Prozent der Fördergelder des Landes für den Limes geflossen sind. Sie wünschte sich noch viele rollende Limeskonferenzen und dankte allen Mitwirkenden aus dem Rhein-Lahn-Kreis für das hohe Maß an Engagement. Für die kommenden Jahre versprach Thomas ein Tourismuskonzept für den Limes, das auch mit der Einrichtung eines durchgängigen Wanderwegs und einem Radwegkonzept einhergehen soll. Sie könnte sich auch vorstellen, im Bereich des Rhein-Lahn-Kreises, insbesondere bei Holzhausen, mit einem Skulpturenweg im Rahmen eines Kunstprojekts des Landes einen attraktiven Eingangsbereich für den rheinland-pfälzischen Limes zu schaffen. Bis zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz sollen diese ehrgeizigen Projekte weitgehend vollendet sein.